Partnerinnen/ Partner, leider oft vergessene, aber sehr wichtige Menschen. Gerade für Missbrauchte, ist

die Partnerin, der Partner der wichtigste Mensch. Nichts ist wichtiger, als eine Partnerin, oder einen

Partner zu haben, die uns zur Seite stehen und nach Bedarf zuhören können, wenn der Druck und die

Vergangenheit wieder unerträglich werden.

 

Hier gebe ich Euch Tipps, im Umgang mit Partnern die sexuell missbraucht, oder

vergewaltigt wurden.   

 

Wie kann ich meiner Partnerin/meinem Partner helfen?

 

Oft wirst Du unsicher sein, Angst haben oder verwirrt sein. Das ist völlig normal. Wichtig ist, dass Du

Dich dabei nicht vergisst. Auch Du bist wichtig und hast eigene Bedürfnisse. Die solltest Du ernst

nehmen. Achte auf Deine Grenzen und sorge dafür, dass sie eingehalten werden.

Viele Partnerinnen/Partner meinen, dass ihre Sorgen und Bedürfnisse im Vergleich zu denen, die

Betroffene von sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung sind, nicht so wichtig sind. Sie denken, dass

es den Betroffenen irgendwann einmal besser geht und sie ihre Bedürfnisse solange zurückstecken. Das ist

ein Fehler. Für die Betroffenen wird das Thema immer wieder präsent sein. So kommen Partnerinnen/

Partner nie dazu, ihre Bedürfnisse zu benennen. Eure Sorgen und Bedürfnisse sind genauso wichtig! Daran

solltet Ihr denken und mit Eurer Partnerin/Eurem Partner darüber reden.

 

Suche Dir jemanden, mit dem Du reden kannst. Auch Du musst verarbeiten, was Du mit Deiner

Partnerin/Deinem Partner erlebst.

 

Wenn Deine Partnerin/Dein Partner über den Missbrauch oder der Vergewaltigung spricht, gebe ihr/ihm

das Gefühl, dass Du glaubst, was Dir erzählt wird. Zeige ihr/ ihm, dass Du bereit bist zuzuhören. Auch

dabei ist es wichtig, dass Du auf Deine Grenzen achtest und es ehrlich sagst, wenn es Dir im Moment

zu viel wird.

 

Nimm ihre/seine Gefühle ernst. Zorn, Angst, Schmerz, Verzweiflung sind natürliche Reaktionen.

 

Flash Backs (kurz Flash genannt)

 

Es gibt verschiedene Arten von Flashs, die ich jetzt mal aufzähle.

 

Alltagsflashs:

Das sind die Flashs, die ich lange fast täglich hatte. Im Bus, in der Straßenbahn, u.s.w. Mit ihnen 

komme ich ganz gut klar.

 

Flashs mit neuen Erkenntnissen:

Bei diesen Flashs kommen verdrängte Szenen wieder hoch.  Ich habe dann keine Ahnung, was da

abläuft.

 

Dann sind da noch die Flashs, die ich am meisten hasse. Ich habe ihnen keinen Namen gegeben, weil 

ich nicht weiß, wie ich sie nennen soll. In diesen Flashs habe ich Schmerzen ohne Ende. Oft komme ich

nicht alleine da raus. Ich erlebe den ganzen Mist wieder und wieder. Dabei erscheint alles völlig real.

Deswegen auch die Schmerzen.

 

Wie verhalte ich mich, wenn meine Partnerin/ mein Partner einen Flash hat?

 

Ganz wichtig: Ruhe bewahren! Wir sind bei einem Flash alles andere als ruhig. Deswegen ist es wichtig,

dass Ihr dabei die Ruhe bewahrt. Macht Euch klar, dass uns bei einem Flash nichts passieren kann.

Auch wenn wir Schmerzen haben dabei. Wir haben Angst bei einem Flash. Wahnsinnige  Angst und sehr

starke Schmerzen. Oft verkrampfen wir uns auch dabei. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Ihr ganz    

ruhig bleibt dabei. Wenn wir Eure Stimme hören können, beruhigt uns das schon im Unterbewusstsein.

Versucht, mit Eurer Partnerin/ Eurem Partner nach Schutzmöglichkeiten zu suchen. Etwas, womit ihr    

sie/ihn rausholen könnt, in der Situation. Bei mir zum Beispiel ist es eine große schwere Türe hinter der

die Täter sitzen und die abgeschlossen wird, damit sie da nicht raus können. Nur ich habe den           

Schlüssel, um sie wieder aufzuschließen. Meine Frau spricht mich bei einem Flash leise an und    

fragt mich immer wieder, ob ich die Türe sehen kann. Wenn ich sie dann sehe, geht sie mit mir zusammen

dort hin oder trägt mich durch die Türe, wenn ich nicht laufen kann. Wir schließen die Türe dann zusammen

ab. Wichtig ist, dass Ihr leise und ruhig mit uns sprecht. Wenn Ihr Angst oder Panik habt, spüren wir das, auch

wenn wir es nicht sagen  können. Das macht uns dann noch mehr Angst und wir rutschen tiefer in den Flash. Bei

einem Flash tut die Nähe einer vertrauten Person gut. Das brauchen wir dann. Wir spüren Eure Nähe, auch

wenn es nicht so aussieht. Ihr könnt uns dann ruhig anfassen, an der Schulter oder am Arm. Wichtig ist,

dass wir Eure Nähe spüren. Wenn Ihr leise dicht an unserem Ohr mit uns redet, beruhigt das sehr. Wenn

wir verkrampft sind, versucht bitte nicht, unsere Stellung zu wechseln. Wenn wir z. B. liegen, lasst uns in

der Stellung liegen, in der wir gerade sind. Durch das Krampfen sind alle Muskeln von uns angespannt,

weil wir so starke Schmerzen haben. Wenn Ihr dann versucht, unsere Stellung zu ändern, z. B. uns

aufzusetzen, wenn wir liegen, tut Ihr uns zum einen sehr weh damit, zum anderen könnt Ihr uns damit

verletzen, weil die Muskeln so angespannt sind.

 

Nach einem Flash sind wir meist noch eine ganze Zeit bewegungslos.  Es dauert eine Weile, bis wir

wieder ganz zurück sind. Keine Angst, das ist völlig normal. In dieser Phase ist es wichtig, dass Ihr

darauf achtet, dass wir nicht wieder zurück in den Flash rutschen. Das kann ganz leicht passieren.

Wenn Ihr das merkt, redet mit uns. Sprecht uns an. Wenn wir Eure Stimme hören, können wir leichter

zurück kommen. Wichtig ist auch hier wieder, dass Ihr leise und ruhig mit uns sprecht. Wenn wir uns

erschrecken, sind wir schnell wieder in dem Flash. Wenn Ihr uns auffordert Euch anzusehen und sagt,

dass Ihr da seid, hilft das schon ungemein.

 

                        Wenn wir dann ganz zurück sind, sind unsere Reaktionen ganz verschieden. Manchmal können wir 

                   Nähe zulassen. Dann nehmt uns einfach in den Arm. Manchmal können wir auch keine Nähe ertragen. Dann

                   bitte respektiert das und lasst uns alleine. Wenn wir wütend werden, nehmt es nicht persönlich. Ihr habt

                    sicherlich nichts verkehrt gemacht. Nicht Ihr sondern die Täterinnen/Täter sind gemeint. Gegen sie richtet

                    sich nach einem Flash oft die Wut.